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  • Unterricht

Umgang mit Ängsten

 

Die folgenden Empfehlungen wurden in Zusammenarbeit mit den Psychologists for Future ausgearbeitet. Sie sollen Lehrer*innen dabei helfen, mit Ängsten umzugehen, die bei Schüler*innen durch die Klimakrise ausgelöst werden können.

 

Wie kann man das Thema Klimakrise wirkungsvoll und doch schonend vermitteln?

  1. Sachlich Information vermitteln.
  2. Raum für Betroffenheit lassen. Die persönliche Betroffenheit sollte jedoch nicht überbordend Raum erhalten, weil dann auch das Thema nicht mehr verfolgt werden kann.
  3. Wenn die Betroffenheit einzelner zu groß ist, dann ist es sinnvoll das Vier-Augen-Gespräch zu suchen (mehr dazu weiter unten).
  4. Wenn der Fokus zu sehr auf dem Problem liegt, kann leicht eine sogenannte Problemtrance entstehen, mit dem Resultat, dass es allen Beteiligten immer schlechter gehen kann. Darum sollen mögliche Lösung des Problems ins Auge gefasst werden. Mit Lösung ist hier nicht gemeint, das Problem ganz aus dem Weg zu räumen (was im Fall des Klimawandels auch kaum mehr geht), sondern Ideen für den Umgang damit zu finden. Hier kann wieder Selbstwirksamkeit erlebt werden, die die Ohnmacht und Angst verkleinern hilft.
  5. Fake News benennen und durch das bekannte Wissen entkräften. Hinweise dazu sind im Handbuch „Widerlegen, aber richtig" der Scientists for Future zu finden.


Was ist zu tun, wenn Schüler*innen emotional stark reagieren oder Zeichen einer Krise zeigen?

1. Ernst nehmen

  • Unterstützend für die Kinder und Jugendlichen ist es, die Ängste, Sorgen, Traurigkeit, vielleicht auch Wut und Hilflosigkeit ernstzunehmen.
  • Man sollte vermitteln, dass diese emotionale Reaktion angesichts der Situation sehr verständlich ist.
  • Die Lehrkraft selbst sollte eine ruhige, gefasste Haltung haben und dabei auch die eigene Betroffenheit zeigen.
  • Eine zu schnelle Versicherung, dass alles nicht so schlimm ist und dann zur Tagesordnung überzugehen, kann dazu führen, dass sich die SchülerInnen kaum an- und ernstgenommen fühlen, was die emotionale Situation verschlechtert und eine weitere offene Kommunikation erschwert.
  • Gehört und verstanden zu werden ist sehr unterstützend.

2. Gespräche anbieten

  • Je nachdem, wie stark die emotionale Reaktion ist, ist ein Gesprächsangebot unter vier Augen möglicherweise sinnvoll.
  • In der Schule sind Vertrauenslehrkräfte, Psychagog*innen und Schulpsycholog*innen mögliche Ansprechpartner dafür.
  • Es ist sinnvoll, diese Personen in der Vorbereitung anzusprechen und sich zu versichern, dass sie die Ernsthaftigkeit des Problems Klimakrise verstehen.
  • Die "10 Säulen der Selbstfürsorge" der Psychologists for Future können stabilisieren und einen Einbruch verhindern. 

3. Selbstwirksamkeit ermöglichen

  • Da Unsicherheit und Angst oft einhergehen mit Hilflosigkeit und dem Eindruck, nichts tun und nichts mehr unter Kontrolle haben zu können, ist das „Gegenmittel" zu Verunsicherung und Angst wieder Kontrolle zu erleben oder in anderen Worten „Selbstwirksamkeit": Das, was ich tue, hat eine Wirkung, verändert etwas.
  • Lehrkräfte können mit ihren Schüler*innen überlegen, was sie eigenständig oder gemeinsam in ihrem Umfeld, z.B. auch in der Schule, bewirken können.
  • Gemeinsam Ideen sammeln und gemeinsam an die Umsetzung gehen ist enorm hilfreich und gesunderhaltend, um aus der Angst und Ohnmacht zu kommen.
  • Gleichzeitig geht es auch darum, diese Situation, die Umwelt, die sich wandelt durch das sich verändernde Klima, akzeptieren zu lernen und damit auch sich der Angst zu stellen und diese auch akzeptieren zu lernen. Akzeptanz NICHT in dem Sinne des „Ich kann eh nichts tun", sondern in dem Sinn „Ich stelle mich der Realität; denn nur dann kann ich das Angemessene tun, was in meiner Macht liegt"
  • Ansätze der Achtsamkeits- und Selbstmitgefühlspraxis (z. B. Jon Kabat-Zinn und Kristin Neff) sind sehr unterstützend für eine akzeptierende, aber auch aktive Haltung.


Wie kann man mit dem Vorwurf umgehen, dass den Schüler*innen im Unterricht Angst gemacht wird?
 

1. Angst zu benennen ist Teil der Bewältigung

  • Es ist unwahrscheinlich, dass die Angst nur aus dem im Unterricht Behandelten kommt. Wahrscheinlicher ist, dass die Schüler*innen schon Angst haben und es jetzt vielmehr darum geht, mit dieser umgehen zu lernen.
  • Aus der Traumafolgenforschung weiß man, dass menschengemachte Traumata häufig als sehr viel beeinträchtigender und schwerwiegender erlebt werden als solche durch höhere Gewalt. Im Fall des Klimawandels liegt möglicherweise eine Mischung vor: wir sind konfrontiert mit einer teilweise katastrophalen Veränderung der Natur und diese Veränderung ist durch Verhaltensweisen von Menschen zu einem Großteil mitverantwortet.
  • In dem Moment, wo man die Angst offen benennen kann, weil es eine Atmosphäre gibt, in der das möglich ist, ist der erste Schritt zur Bewältigung der Angst schon getan: nämlich sich der Angst zu stellen.

2. Angst hat eine Funktion

  • Angst hat auch eine wichtige Funktion: Die Orientierungsreaktion ermöglicht, sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen, um das „richtige" Verhalten auszuwählen. Das heißt sie kann genutzt werden um aktiv werden zu können.
  • Durch die Möglichkeit, aktiv zu werden, kann einer Steigerung der Angst zur Panik deutlich entgegengesteuert werden.

3. Naturkontakt anbieten

  • Klimabildung soll auch dabei helfen, die Natur kennen und schätzen zu lernen, und positive Emotionen zu ihr zu entwickeln. Deshalb ist es gut, Inhalte des Klimaschutzes nicht nur im Klassenzimmer zu besprechen, sondern auch im Wald und anderen Lebensräumen erlebbar zu machen.
  • Zeit in der Natur hilft nachweislich dem Entstehen psychischer Belastungen bis Störungen vorzubeugen. Für manche Schülerinnen und Schüler, die in der Freizeit kaum Naturkontakt haben, ist dies eine wichtige Erfahrung, die ihr Wohlbefinden auch in Zukunft fördern kann.

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