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Forderungen an die Bildungsdirektionen zur klimafreundlichen und nachhaltigen

Gestaltung des Schulwesens

 

Ersuchen um Unterstützung an das BMBWF

und BM Univ. Prof. Dr. Heinz Faßmann

 

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Präambel

 

“Der Klima-Notstand entwickelt sich schneller als vorhergesagt. Wir müssen unsere Maßnahmen ehrgeizig und mit Dringlichkeit beschleunigen. Dies ist der Kampf um unser Leben.”
-- António Guterres, UN-Generalsekretär

 

Aus der Wirkmacht des Menschen im Anthropozän, dem vom Menschen getriebenen Erdzeitalter, ist eine neue Dimension der Verantwortung entstanden.

Wir Teachers for Future und die Unterstützer:innen dieses Papiers glauben an eine gerechte Gesellschaft, die ein gutes Leben für Alle mit nur einem Bruchteil des heutigen Verbrauchs an Material und Energie sichern kann. Die Geschichte lehrt uns, dass hochentwickelte Gesellschaften bis jetzt an der Nachhaltigkeitsfrage gescheitert sind. Doch wir bauen darauf, dass wir als Weltgemeinschaft die großen Herausforderungen dieser multiplen Krise meistern werden und dass das Bildungssystem einen entscheidenden Beitrag leisten wird.

Wir haben eine Vision… und wir wissen, dass sie möglich ist. Deshalb setzen wir all unsere Kraft, unser Wissen und unsere Ausdauer dafür ein, diese zu erreichen.

Werden die Bildungsdirektionen diese Vision unterstützt haben oder werden sie das Hindernis gewesen sein, das überwunden werden musste?

 

Forderungen

Um die katastrophalen Auswirkungen der Klimakrise aufzuhalten oder zumindest zu bremsen, sind rasche, tiefgreifende Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft unumstritten notwendig. Dies betrifft auch und ganz besonders die Schulen. Teachers for Future Österreich haben daher bereits im Jahr 2020 einen Forderungskatalog für eine klimagerechte Schule 2024 aufgestellt.

In den darauffolgenden Gesprächen mit Bildungsdirektionen hat sich ein schwer durchschaubarer Dschungel an unklaren Zuständigkeiten gezeigt, den zu durchdringen ohne Mithilfe der Bildungsdirektionen und des BMBWF unmöglich ist. Dennoch wurde versucht, im vorliegenden Forderungskatalog einige Maßnahmenbereiche zu identifizieren, die konkret im Wirkungs- oder Einflussbereich der Bildungsdirektionen liegen.

Dass ernstzunehmende Maßnahmen insbesondere im Schulsektor rasch geplant und umgesetzt werden müssen, zeigt die Tatsache, dass nur ca. 11% der Schulen in Österreich dem Ökolog-Netzwerk angehören, etwa 8,6% dem Klimabündnis (oft dieselben Schulen) und sogar nur rund 2,3% (nämlich 134 Schulen) das Österreichische Umweltzeichen tragen. Auch wenn die Schulen zuweilen schwierige Ausgangslagen haben, zeigt dies deutlich den dringenden Handlungsbedarf auf.

Integraler Bestandteil einer echten und konsequenten Klima- und Nachhaltigkeitsstrategie für das österreichische Schulwesen ist die Entwicklung von Stufenplänen – also “Fahrplänen” mit konkreten und terminisierten Schritten sowie Zielverpflichtungen – durch die Bildungsdirektionen und auch das BMBWF, die aus unserer Sicht derzeit noch fehlen oder kaum ausreichen, inklusive der Bereitstellung der dafür notwendigen Ressourcen. Zudem sollte die Einhaltung dieser Ziele durch eine unabhängige Stelle regelmäßig evaluiert und öffentlich kommuniziert werden. Verfehlungen der Ziele sollten an bestimmte Konsequenzen für die jeweiligen Institutionen gekoppelt sein, die noch auszuarbeiten sind. Solche Stufenpläne und Kontrollgremien sollten mit höchster Priorität ausgearbeitet und eingerichtet werden. Die derzeitigen Sommerferien 2021 sind ein einmaliger Zeitpunkt hierfür.

Der nachfolgende Katalog enthält zentrale Handlungsfelder, in denen dringender Aktionsbedarf besteht und die einerseits zu konkreten Emissionsreduktionen führen, andererseits auch für die Bewusstseinsbildung von Schüler:innen, Lehrenden und Eltern wesentlich sind. Es soll den Schulen überlassen bleiben, über diese Handlungsfelder hinaus Schritte zu setzen. 

Wir zählen auf Ihre Mitwirkung!

 

1.      Klimabeauftragte und Koordinationsstellen

Um den ökologischen Wandel schulautonom umsetzen zu können, braucht es Koordination an jedem Schulstandort. Zu diesem Zweck ist an jeder Schule mindestens ein:e Klima- und Nachhaltigkeitsbeauftragte:r zu ernennen, der/die in dieser Funktion auch ausgebildet sowie entlohnt wird. Nach dem Vorbild der Wiener Bildungsdirektion liegt es in der Verantwortung aller Bildungsdirektionen, diese Stellen an den Schulen sowie eine Koordinationsstelle in der jeweiligen Bildungsdirektion zu schaffen. Zu den Aufgaben dieser Koordinationsstelle muss auch zählen, den Kontakt zur Wissenschaft zu halten und gerade auf diesem sich schnell entwickelnden Gebiet Forschungsbildungskooperationen zu fördern.

 

2.      Schulentwicklungsplan: Ziel-Beispiel Klimagerechte und nachhaltige Schule

Das seit Beginn dieses Jahres für alle Schulformen vereinte Qualitätsmanagement für Schulen (QMS) arbeitet mit Entwicklungsplänen (SEP), die auf drei Jahre ausgelegt sind. Auf der Homepage www.qms.at sind vier konkrete Beispiele für diese SEP vorgestellt: Digitalisierung, Neulehrer:innen, Selbstreguliertes Lernen und Gesunde Schule.

Als Zuständige für die Vollziehung der Qualitätssicherung liegt es in der Verantwortung der Bildungsdirektionen, dafür zu sorgen, dass bis spätestens Ende August 2021 auf der Homepage www.qms.at ein fünftes SEP-Beispiel erscheint: Klimagerechte und nachhaltige Schule!

Dieser SEP – angelehnt an die Vereinbarungen des Pariser Klimaabkommens, an die im Regierungsprogramm verankerte Klimaneutralität bis 2040 und die UN-Agenda 2030 zur nachhaltigen Entwicklung – wird Qualitätskoordinator:innen anspornen und unterstützen, an ihrer Schule rasch und effizient die schon längst fälligen und notwendigen schulischen Weichenstellungen in Richtung nachhaltige und attraktive Zukunft zu stellen.

 

3.      Zeitgemäße Behandlung der Nachhaltigkeitsthemen im Lehrmaterial

Es gibt immer noch Schulbücher, die dem aktuellen Stand des Wissens hinsichtlich Klimawandel, Biodiversitätsverlust und allgemein Nachhaltigkeit nicht gerecht werden, oder diese als Spezialthemen statt als themenübergreifende Probleme darstellen. Diese Lehrmaterialien sind innerhalb einer vorgegebenen Frist zu überarbeiten oder es ist ihnen die Zulassung zu entziehen. Wiewohl dies nicht in den Verantwortungsbereich der Bildungsdirektionen fällt, werden diese ersucht, die Forderung nach aktualisiertem Lehrmaterial im Rahmen der ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu unterstützen.

 

4.      Politische Teilhabe fördern

     Projektwoche “Politische Bildung”

Demokratische Projekte an Schulen spiegeln aktuelle politische Fragestellungen und Herausforderungen wider, die zu konkretem Handeln führen. Hinsichtlich der politischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts fordern wir im Sinne der nachhaltigen Entwicklungsziele, zu denen Österreich sich bekennt, die Einführung einer regelmäßigen Projektwoche zum Thema Demokratie und politische Partizipation im Kontext von Klimabildung/Klimagerechtigkeitsbildung. Die Bildungsdirektionen sollten hierzu ein maßgeschneidertes Projektkonzept über ihre Kanäle zur Verfügung stellen, mit Unterrichtsmaterial, Workshopangeboten und passenden Lehrausgängen.

     Partizipation am Schulstandort und Unterstützung politischer Teilhabe

Die Gesellschaft der Zukunft braucht aktive Bürger:innen. Daher ist es wichtig, die gesellschaftliche Teilhabe und das Engagement der Schüler:innen zu fördern. Es darf deshalb keine Bestrafung von Schüler:innen für politisches Engagement geben. Stattdessen müssen die Schulen selbst Möglichkeiten für Partizipation schaffen und engagierten Schüler:innen entgegenkommen. Wir fordern verstärkte Einbeziehung von Schüler:innen in politische Entscheidungen, auch am Schulstandort.

 

5.      Schulen – klimaneutral und klimafit

Die Schulgebäude müssen vorleben, was von allen Gebäuden gefordert werden muss, denn Bund, Länder und Gemeinden haben eine Vorbildrolle:  Deutlich vor 2040 müssen alle Gebäude klimaneutral sein. Zugleich muss sichergestellt sein, dass sie sich im Sommer nicht überhitzen. Ausgangspunkt wäre die jährliche Erstellung einer Treibhausgasbilanz an jeder Schule – das können Schüler:innen unter Anleitung im Projektunterricht machen. Darauf aufbauend ist eine Roadmap zur Emissionsreduktion zu erstellen und dann schrittweise umzusetzen unter Einbeziehung von Schüler:innen, Schulerhalter:innen, Gebäudeeigner:innen und idealerweise der Gemeinden und lokaler Betriebe.  

 

6.      Autofreie Mobilität

Der motorisierte Individualverkehr trägt maßgeblich zum Klimawandel bei, verringert die Luftqualität, gefährdet die Sicherheit von Kindern am Schulweg und verhindert nebenbei die für Kinder so notwendige körperliche Bewegung, wenn sie mit Autos zur Schule gebracht werden. 

Wir fordern die Bildungsdirektionen daher auf, die Weichen für die Förderung von autofreien Schulwegen zu stellen. Das passiert im Idealfall dadurch, dass vor Schulen weitgehend autofreie Zonen (z.B. die etablierten Schulstraßen) geschaffen und sichere Radwege gebaut werden. Wenn autofreie Anreisen möglich sind, müssen Parkplätze vor Schulen und im Schulbereich zurückgebaut werden.  Freiwerdende Flächen in und vor Schulen können für Grünflächen, Bäume, Spielplätze, Hochbeete, etc. genutzt werden und sollen den Schulen außerdem die Möglichkeit bieten, den Schüler:innen das ähnlich bedrohliche Problem des Biodiversitätsverlustes näherzubringen. 

Wir fordern für jede Schule gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Anbindung, Frequenz etc.) sowie sichere Schulwege für Radfahrer:innen und Fußgänger:innen. Auf alle Punkte, welche nicht in den direkten Handlungsbereich der Bildungsdirektionen fallen, soll durch intensive Kommunikation mit den Gemeinde- oder Bezirksvorsteher:innen hingewirkt werden. 

  

7.      Schulbuffet – gesund und nachhaltig

Viele Schulbuffets bieten nicht nur ungesundes Essen und verursachen Unmengen an Abfall, sondern tragen mit ihrem wenig nachhaltigen Angebot auch darüber hinaus zur Klimakrise bei.
Wir fordern die Bildungsdirektionen auf, geeignete Vorgaben für Schulkantinenbetreiber:innen zu erlassen, um ein nachhaltiges, gesundes Angebot zu erstellen (weitgehend fleischlos, regional, saisonal, reich an Gemüse und Obst und aus biologischer Landwirtschaft) und die Vernichtung von übriggebliebenen Lebensmitteln zu vermeiden (gemeinsam mit Food-Sharing-Initiativen). Die Reduktion bzw. Mehrfachnutzung von Verpackungsmaterial ist zeitnah durchzusetzen. Energiefressende Automaten, die überdies zum Konsum zuckerreicher, gesundheitsschädlicher Produkte animieren, sind systematisch abzubauen. Praxisnahe Ernährungsfragen sind in den Schulunterricht aufzunehmen, um Schüler:innen bei der Menü- oder Speisenauswahl am Buffet zu unterstützen, und zugleich auch Gesundheit, Landwirtschaft, Biodiversität und Nachhaltigkeit anzusprechen.

 


 

Die Umsetzung dieser Forderungen wäre ein erster Schritt in Richtung unserer Vision 2024:

  • Schule ist Vorreiterin, Mutmacherin und pulsierende Impulsgeberin für ihren Bezirk / ihre Gemeinde in diesen, alles entscheidenden Jahren der Transformation in eine nachhaltige Moderne.
  • Schule als Institution leistet einen wertvollen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung und globalen Gerechtigkeit und ist damit Vorbild für andere Institutionen.
  • Schule begreift sich als Ort der Aufklärung über die Wirtschaftsweise der ständigen Expansion und Ausbeutung. Jede:r Schüler:in, jede:r Lehrer:in und jede:r Direktor:in weiß über die Verantwortung der Industrienationen Bescheid und hat sich auf den Weg in eine nachhaltige Zukunft innerhalb planetarer Belastungsgrenzen gemacht.
  • Schule hat den Ruf des Verstaubten, Starren, nicht Zeitgemäßen abgestreift und ist nun Forum für Zukunftsfragen für alle Stakeholder.
  • Schule steht in Partnerschaft mit Wissenschaft um gemeinsam an einem gesunden Verständnis für Systemzusammenhänge, Unsicherheiten und Verantwortung zu arbeiten.
  • Jede Schule hat pro Klasse eine Klimabotschafter:in und aus dem Kollegium eine:n Klimabeauftragte:n, jede Bildungsdirektion hat eine:n Klimakoordinator:in.
  • Direktor:innen unterstützen das Engagement ihrer Lehrenden und Schüler:innen für eine klimagerechte Schule.
  • Selbstermächtigung und Selbstwirksamkeit unter den jungen Menschen sind drastisch gestiegen. Schüler:innen werden gehört. Schüler:innen gestalten ihre Zukunft mit und sind starke Zivilbürger:innen. 
  • In Schule herrscht eine Atmosphäre von Kreativität, Experimentierfreude und Partizipation. Gemeinsam wird ein Lebensstil entwickelt, der nachhaltig, attraktiv und für andere nachahmbar ist.

 

Wir freuen uns auf eine erfolgreiche Kooperation!

 

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Teachers for Future

 

In Zusammenarbeit mit

 

FFF

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GPFF

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